Samstag, 11. August 2012

Bestellungen Kartenaktion - Häb Sorg zor Heimat

Einsatz für kulturelle Werte

mf. Mit der jährlich stattfindenden Kartenaktion «Häb Sorg zur Heimet» gibt die Heimatvereinigung Wiggertal zum einen Einblick in das Schaffen einheimischer Künstlerinnen und Künstler ausserhalb von Ausstellungen. Zum andern bildet sie eine der wichtigsten Einnahmequelle für das breite Wirken der Heimatvereinigung. Diese setzt sich in vielfältiger Weise für die kulturellen Werte des Wiggertales und des Hinterlandes ein. Mit verschiedenen Aktionen und Projekten und der jährlichen Herausgabe der «Heimatkunde Wiggertal» möchte sie Vergangenes ins Bewusstsein zurückrufen, Heimat ideell erhalten und sichtbar machen. Die Verantwortlichen der Heimatvereinigung Wiggertal freuen sich, wenn die Schülerinnen und Schüler mit ihren Karten an den Haustüren im Luzerner Hinterland und im Wiggertal gute Aufnahme finden.

Eine Karte kostet inklusive Kuvert und Schutzhülle drei Franken. Die Karten können auch direkt bei der folgenden Adresse bestellt werden:

Josef Stöckli
Höhe 17
6153 Ufhusen 

041 988 11 39
schosef.stoeckli@bluewin.ch



Wir freuen uns über Ihre Bestellung, ist der Erlös der Kartenaktion für die Heimatvereinigung doch eine bedeutende Einnahmequelle zur Unterstützung der vielfältigen Aufgaben!


Freitag, 10. August 2012

Bewegtes Spiel mit leuchtenden Farben

Kartenaktion der Heimatvereinigung Wiggertal 2012

Monika Fischer

In warmen Farbtönen leuchtet die Karte der Willisauerin Eva Häfliger wie ein Ausschnitt aus einem Blumenfeld. Das Bild strahlt Bewegung und Lebensfreude aus. Was so leicht wirkt, ist das Ergebnis eines langen Gestaltungsprozesses. Zuweilen von der Natur inspiriert, entstehen die Bildinhalte assoziativ und sind meist abstrakt. Erst nach vielen übereinander liegenden Schichtungen zeigt sich das Bild in seiner vollendeten Form.

Auch hinter der vorliegenden Kunstkarte liegt ein langer Prozess. In ihrem hellen Atelier in der Willisauer Vorstadt 21 blendet Eva Häfliger zurück und zeigt die Entwicklungsschritte an ihren in den letzten Jahren geschaffenen Bildern auf.

Sujet der Kunstkarte 2012

Tiefe durch transparente Farben und Schichten

Rund drei Jahre beschäftigte sich Eva Häfliger intensiv mit der Hinterglasmalerei. Zum Teil legte sie zwei bis drei Gläser hintereinander, was exaktes Arbeiten, Sorgfalt und eine grosse Vorstellungskraft erforderte. Diese Werke sind alle rund 110 auf 80 Zentimeter gross. Es drängte sie danach, wieder freier und grossflächiger zu arbeiten, «richtig zu werken». In ihrem reichen Fundus an Arbeitsmaterialien – Pinseln, Spachteln, Farben – stiess sie auf ein Malmittel, das eine transparente Wirkung der Ölfarbe erzielt. Sie begann zu experimentieren, malte weisse Wolken auf MDF-Platten und trug darüber abstrakte Flecken mit satten Farben auf: rosa, grün, blau, orange, gelb. Wo der weisse Untergrund fehlte, wurde die Farbe von der braunen Holzplatte aufgezogen. Intuitiv malte sie weitere Schichten und druckte mit selbst gefertigten Stempeln Motive in die Flächen. Auf diese Weise entstand eine ganze Serie von farbenfrohen geschichteten Bildern, darunter im Format 70 auf 90 Zentimeter das Original der aktuellen Kunstkarte der Heimatvereinigung Wiggertal.

Bilder entstehen im Werden

Das Malen ist für Eva Häfliger eine handgreifliche Angelegenheit. Sie sagt von sich selbst: «Ich bin keine Konzeptkünstlerin, sondern eine Handwerkerin. Ich habe eine vage Vorstellung von einem Bild im Kopf. Meine Bildinhalte entstehen assoziativ während der Arbeit. Aus Flecken, Strichen, Lücken, aus Zufälligkeiten wird ein Ganzes, das mich weiter inspiriert, mich suchen und finden lässt. Mich interessiert, was sich aus einem bestimmten Material mit unterschiedlichen Techniken machen lässt und letztlich zum Ergebnis führt.»

Sie beschreibt ihre Arbeitsweise an einem weitern Beispiel: Im Garten grub sie die reichlich vorhandenen Wurzeln des Thymian aus, band sie zu einer Kugel zusammen und hängte sie in ihrem Atelier auf. Fasziniert durch den Schattenwurf zeichnete sie diesen auf grossen Papierbogen nach. Die Bewegung der Kugel und der sich verändernde Sonnenstand verlangten rasches Arbeiten. Immer neue Skizzen entstanden. Eva Häfliger kehrte die Bogen um und malte auf der Rückseite die Zwischenräume des Schattens aus. Diese so entstandenen Kompositionen übertrug sie in verschiedenen Farben auf vier starke, 90 auf 150 Zentimeter grosse durchsichtige Folien. Die Anordnung der korallenartig wirkenden Gebilde konzipierte sie so, dass sie in zwei Schichten übereinander, oder auch nebeneinander gehängt ein duftiges Ganzes ergeben: Ein Spiel mit Tiefe und Verwandlung, das an eine Unterwasser-Aufnahme erinnert.

Eva Häfliger freut sich, dass sie die in den letzten Jahren entstandenen Werke im Frühling 2013 in einer grossen Einzelausstellung in Willisau in der Stadtmühle zeigen kann.

Zwei Tage wöchentlich arbeitet Eva Häfliger konzentriert in ihrem Atelier in Willisau. 
Sie freut sich, eine Arbeit zu haben, die sie erfüllt und glücklich macht. 


Überschäumende Kreativität


Die vielfältigen Werke sind das Ergebnis eines jahrzehntelangen stillen Schaffens und beharrlichen Dranbleibens. Für Eva Häfliger begann dieser Weg schon in der Kindheit. 1955 als Käserstochter in Ruswil geboren, wusste sie sich als Nochzöglerli gut selber zu beschäftigen. Mit bescheidenen Mitteln – Papier, Bleistift, Farbstiften, Schere, Leim – hat sie mit Vorliebe gezeichnet und gkaflet wie sie es rückblickend beschreibt. Auch die voll gekritzelte Agenda des Käsehändlers zeugt von ihrer überschäumenden Kreativität. Mit der Schulzeit kam der Einbruch, als ihr die Lehrer sagten, was schön sei und was nicht. Erst mit der Pubertät erwachte ihre Leidenschaft fürs Zeichnen und Gestalten neu. Die Eltern fanden allerdings, die Tochter müsse einen Brotberuf erlernen. Im Lehrerseminar in Luzern war der Kontakt mit der Künstlerin Marie-Theres Amici für Eva Häfliger ein Riesenglück: «Mit ihrer herzlichen und feinfühligen Art zeigte sie mir, dass ich etwas kann. Dies war mein Durchbruch.»

Nach drei Jahren Unterrichtstätigkeit lebte sie ein Jahr lang in Finnland und besuchte eine Textilschule. Danach belegte sie einen Platz im Vorkurs an der damaligen Kunstgewerbeschule Luzern.

Förderunterricht als idealer Brotberuf

Nach der Geburt der zwei heute erwachsenen Töchter machte sie eine kurze Schaffenspause. Bald besuchte sie wieder Abendkurse an der Kunstgewerbeschule und belegte später einen Tag pro Woche einen Atelierplatz in der Farbmühle Luzern. Seit 1989 arbeitet sie konsequent zwei Tage wöchentlich im eigenen Atelier. Als Glücksfall bezeichnet sie ihre Erwerbsarbeit. Vor rund zwanzig Jahren meldete sie sich bei der Institution für „Schule und Wohnen“ Mariazell Sursee, als die Stelle der Leiterin des Malateliers ausgeschrieben war. Aus dem ursprünglichen Angebot baute sie das heutige Atelier für freies Gestalten als Förderangebot für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und/oder Sprachschwächen auf. «In einem grossen Raum finden die Kinder alles, was ihr Herz begehrt: Papier, Ton, Holz, Farben, Metall, Werkbank, Nähmaschine und vieles mehr. Frei oder von mir angeregt können sie ihre Projekte realisieren: einen Kran bauen, ein Bild malen, eine Maske basteln, Schuhe herstellen, chnüble ond fuschte äbe... Für sprach- und verhaltensauffällige Kinder ist es wichtig, eine Ausdrucksmöglichkeit zu haben und eine andere Art von Zuwendung zu erhalten. Ohne Druck und Zwang können sie ausprobieren und dabei schlummernde Fähigkeiten entdecken, was ihr Selbstwertgefühl steigert», beschreibt Eva Häfliger ihre Arbeit und hält fest: «Es ist spannend und bereichernd, mit Kindern in einer gelösten Atmosphäre so frei arbeiten zu dürfen. Meine Lust am Ausprobieren und Experimentieren kann ich auf die Kinder übertragen, und ich bekomme von diesen viel zurück, auch neue Ideen und Impulse für mein Schaffen.»

Eva Häfliger mit zwei ihrer Bilder, die von ihrer Lust am Experimentieren mit
Farben und Formen in verschiedenen Schichten zeugen.

Adresse der Autorin und Fotografin:

Monika Fischer
Hauptstrasse 28
6260 Reiden

E-mail: fischerabt@bluewin.ch